Unglück – ein 24 Stunden Job

Ein weißer Mann sagte einmal zu mir, dass ein erfolgloses Leben ebenso anstrengend sei, wie ein erfolgreiches. Ja, mehr noch, es würde durch diese ganzen negativen Emotionen und Gefühle, durch seine Abwärtsspirale, die am Leben gehalten werden will und die unserer menschlichen Natur widerspricht, anstrengender sein. 

Und dem ist wohl so. 

Wer sich für den Weg des unglücklich sein entschieden hat, hat es schon per Definition schwer. Unglück fühlt sich drückend, eng, schwer, dunkel und beladen an. 

Glück jedoch ist ein Gefühl von Leichtigkeit, Weite, Befreiung, hell und wie fliegen. So geht dem glücklich Schaffenden im Flow die Arbeit leicht von der Hand. Wir sind verbunden mit einer Energie, die unendlich scheint und die durch uns hindurch fließt. 

Tatsächlich ist, wie wir uns fühlen, eine Entscheidung von uns. Niedergeschlagenheit und Unglück zu leben, zieht unheimlich Energie. Das kostet Kraft. Ja und Ausdauer. Das ist ein harter Job an sich. Die Frage lautet: will ich das? 

Oft scheint uns diese Frage schon im Vorfeld beantwortet – ich bin ja gerade down, am Ende, erschöpft … Ja, etwas in uns hat für uns bereits entschieden. Anscheinend ein Problem. 

Doch nur wirklich dann, wenn ich mich damit zufrieden gebe. Raus aus dieser Sicht kommen wir, wenn wir uns bewusst sind, dass wir uns entschieden haben – und es jeder Zeit wieder tun können: uns entscheiden. 

Wir brauchen uns nur nicht nochmal dazu zu entscheiden, zu leiden. Die Entscheidung richtet sich im Grunde nicht einmal nach den Anlässen, die wir benutzten oder ich möchte sogar sagen, die wir missbrauchen, um uns mies zu fühlen. Immerhin haben wir dann etwas, über das wir uns beschweren können – statt uns zu erleichtern. Haha, welch nette Wortspiele. 

Wir halten viel zu gerne an dem fest, was uns bedrückt, statt es los zu lassen. 

Und welch Gründe wir in unserer genialen Art auch so finden. Einer meiner liebsten zur Zeit ist meine Ungeduld: ich hätte die Erleuchtung schon gerne bereits angenommen und den Weg hinter mich gebracht. Oh, welch Mangel an Vertrauen, spitze, da kann ich jammern und leiden. 

Kopfweh, Rückenschmerzen, ach alle möglichen körperlichen Gebrechen können wir heranziehen, um zu jammern und es uns wunderbar schlecht ergehen zu lassen. Oh und wir können noch ein gesellschaftliches Spiel daraus machen: das „Ja, aber Spiel“ – jammern mit einem Freund. Dazu braucht man einen hilfsbereiten Menschen, der nach guten Lösungen aus der Misere suchen mag und dienstbeflissen ist. Nun kann ihm vorgejammert werden, woran aktuell so gerade gelitten wird. Dafür findet der Freund schnell eine einfache und gute Lösung, die jedoch direkt von einem selbst zwar durch anscheinende Zustimmung per „Ja“ angenommen wird, gleichzeitig jedoch aufgezeigt wird, dass es bei einem selbst nun doch nicht so einfach ist, denn es gibt ja noch weitere Gründe, die das Leid am Leben erhalten, die kommen nach dem „aber“. Ein fröhlicher Zeitvertreib in gemütlicher Runde, der ein Bauchmietzeln des Leidens darstellt, sonder gleichen. 

Das ganze lässt sich in Paarbeziehungen auch noch zu einem handfesten Streit ausweiten, dann kann man gemeinsam leiden und sich als das Opfer ansehen. Die Kampf-Version des „Ja, aber Spiels“ sieht so aus, dass der Hilfesuchende dem Hilfsbereiten immer neue Aufgaben stellt, die gelöst werden wollen und! wenn alles fertig ist und für alles eine Idee und Möglichkeit besteht, dann den Joker zückt und als Sahnehäubchen eine unmögliche Forderung stellt, an die sein ganzes Leid geknüpft ist. Klingt jetzt banal vielleicht, doch hatte sich der Helfende so auf die Themen des anscheinend Hilfesuchenden eingelassen, dass die Unerfüllbarkeit des Jokers, das Fass zum überlaufen bringt und dann eine Entladung der Spannung stattfinden kann und beide sich in neue ganz „objektive“ Schmerzzustände zurück ziehen können. 

Es ist dieses Spiel in beiden Varianten, also gesellschaftlich anerkannt und es finden sich immer wieder Mitspieler. Es funktioniert also auch noch mit sozialen Streicheleinheiten. Es gibt sozusagen ganze Lebensentwürfe zum unglücklich sein. Voll anerkannt das ganze. Man ist in guter Gesellschaft. Ne, nicht wirklich, oder? 

Im Grunde verbringe ich gerade selbst viel zu viel Zeit damit, aufzuschreiben, wie genial man es sich einrichten kann, zu leiden. Die Frage eben, wie schon gesagt ist: will ich das denn? 

Und seien wir mal ehrlich: ja. Wollen wir, denn sonst würden wir es nicht tun. 

So ein Quatsch, keiner will freiwillig leiden. Doch wir tun es. Also muss es zumindest etwas in uns geben, was dies will. 

Und hier ist wieder einmal der bekannte Ausweg: die Annahme. Sich für den eigenen Wunsch, zu leiden öffnen (statt darauf auch noch rum zu dreschen). Wir leiden ja bereits. Und wenn wir uns mal überlegen – im Grunde wollen wir es nicht, tun es jedoch bereits, also entscheiden wir uns neu – doch genau in diesem Moment, wo wir uns für Glück, Leichtigkeit und Freude entscheiden, verstärken sich die anscheinend Leidensgründe noch unheimlich. Der Wunsch, zu leiden, will gesehen werden. Also, diesen sehen, annehmen und dennoch weiter gehen. Ihn mit einsacken, ihn mit einpacken. Sich eben nicht durch solche anscheinenden Gründe, den Spaß am Leben versauen lassen. 

Darum geht es. 

Und auf einmal wird die ganze Energie frei, die wir vorher im Leiden gebunden hatten. Wie geil ist das denn? Welch Klarheit, Freude, Leichtigkeit und Kraft da in uns steckt. Ja, auf einmal bekommen wir eine Ahnung, welch Potenzial da in uns steckt – na wenn das kein Grund zum Schotten dicht machen ist… 

Ihr Lieben, lasst es euch gesagt sein: Leid, Unglück, Probleme, Misserfolg, Verkacken, Gammeln und das Leben nicht leben, Niedergeschlagenheit und Mangel, Opfer,  Depression und Kampf – das sind massig anstrengende Zustände. Das kostet mehr Energie, als den Erfolg, das Licht, die Wärme und Freude, Frieden und Glück, Leichtigkeit und Klarheit, Erfüllung und Befriedigung, Nähe und Verbundenheit zu leben. Denn das alles ist doch eher der natürliche Zustand des Menschen. In den kommen wir rein, wenn wir nichts tun. Doch wir verschließen uns davor und arbeiten lieber an unserem Unglück. Wirklich? 

Raus da. Ganz ganz schnell. Nicht durch weiteren Kampf, sondern durch Annahme. Und dann den Fokus bewusst neu ausrichten. Darauf, was wir wirklich wollen und dies geschehen lassen. Die Fülle hat ganz ganz ganz viel Platz in meinem Leben. Also darf sie gerne jetzt mal zu mir kommen. 

Und ebenso zu dir. Und dir. Und dir… 

Geil, das Leben fetzt. Ich liebe es. 

Sebastian

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