Wehmut zu Weihnachten 

Hatte überlegt, diesen Artikel als meinen Weihnachtsartikel zu veröffentlichen. So ein schönes Ding, was die Herzen rührt und einen einstimmt, auf die schöne Zeit zu Winteranfang. Mit großen Schritten nähern wir uns der Wintersonnenwende und dunkler und kürzer ist ein jeder Tag.

Doch nein. Etwas will im Grunde gleich geäußert werden. Will hinaus. Daher schon jetzt, mein „Weihnachtsartikel“.

Hatte wieder ein „Kinderwochenende“. So unsere Bezeichnung in der Familie, wenn wir zu fünft sind und die beiden großen Mädchen aus meiner ersten Ehe mit uns sind. Da gab es eine kleine Episode, als eins der Mädchen ein Weihnachtslied trällerte und dies mich so tief im Herzen traf, dass es mir die Tränen in die Augen trieb.

Ich ging der Sache nach – und fand? Meine Wehmut.

Weihnachten ist bei mir in meiner Herkunftsfamilie immer so, wie ich es mir aus tiefstem Herzen wünsche. Alles ist perfekt. Weihnachten in Familie. Und alle packen mit an und arbeiten zusammen an dem Gelingen. Das macht für mich den Geist der Weihnacht aus. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit. Und die Verwirklichung eines gemeinsamen Projekts. Dann gibt es da diesen kurzen Augenblick, der dann stimmig ist, wenn die Kerzen am Baum brennen, die Lieder gesungen sind und die Geschenke noch zu – am Heiligen Abend gibt es tatsächlich einen kurzen Augenblick der Ruhe, der inneren Einkehr und des sich fallen lassen, an dem alles richtig ist. Alles ist genau so, wie es sein sollte.

Verschnaufen. Luft holen. Genießen. Ruhe.

Und schon ist es vorbei und geht im lustigen Trubel des Schenkens und beschenkt werden unter. Der Strudel des Lebens reist einen wieder mit sich.

So mein Gefühl bisher. Ja, aber das allein macht die Wehmut, meine Wehmut zur Weihnacht nicht aus. Es ist noch mehr. Das wurde mir erst klar, als meine eine Tochter „Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen“ (mein Weihnachtslieblingslied) sang und ich mich wunderte, was denn da auf einmal mit mir so abging.

„Zwei Engel sind herein getreten. Kein Auge hat sie kommen sehn. Sie gehn zum. Weihnachtstisch und beten, und wenden wieder sich und gehn.“ Die beiden Engel bringen Gottes Segen, den treuen und frommen Menschen und machen sich dann wieder aus dem Staub: „… Unsichtbar jedes Menschen Blick, sind sie gegangen, wie gekommen. Doch Gottes Segen, blieb zurück.“

Zack! Und hier knallt es bei mir so richtig rein. Doch was ist es? Einerseits, der Glaube, ich hätte den Segen der Weihnacht, den ich überall um mich herum in dieser wundervollen Zeit erlebe, nicht „verdient“, wie ich an sich kaum etwas des Guten in meinem Leben nicht „verdient“ hätte. Ei, welch fettes Ding. Muss denn alles und jedes auf dieser Welt verdient werden? Etwas in mir glaubte zumindest iwi daran.

Ja und, das gute sei eben nicht für mich da. Es ist für alle anderen. Und ich sehne mich nach diesem Glanz in meinem Leben und nach Frieden, Freude, Wärme und Licht. Doch stünde es mir iwi nicht zu. Es sei eben nicht meins, auch wenn ich gerade da mit drin beteiligt bin. Das ist ähnlich, der ersten Überzeugung, geht jedoch noch mehr in die Richtung:ich würde nicht dazu gehören. Alle haben jetzt was feines – nur ich eben nicht.

Volle Kanne Quatsch – klar. Ist ja zu sehen, zu schmecken und zu fühlen: auch ich bin voll gut dabei. Nur war bisher etwas in mir, was dies nicht sehen konnte oder wollte. Meine grundlegende Sicht war eine ganz andere. Und die Sehnsucht würde genau daraus gespeist, aus dem tiefen Wunsch und Wollen, mit dazu zu gehören. Zu Weihnachten gab es immer dieses kleine Fenster, wo es anscheinend so war. Ein kurzer vergänglicher Augenblick des Glücks. Da war es kurz mal perfekt. Eine blanke Lüge, die mir ins Gesicht schlug und mir etwas vorgaukelte, was es so ansonsten nicht gab.

Aber eben dieses kleine Stückchen Paradies, dies gab es immer wieder und wieder. Und dafür war ich so dankbar.

Hach und nun?

Ja und nun weiß ich doch, worum es mir ging. Und als meine Tochter ihr Liedchen pfiff, da wurde mir klar: Weihnachten ist an jedem einzelnen Tag in meinem Leben, an dem ich mich dafür entscheide. Es darf immer genau so sein. Es ist bereits an jedem Tag der Segen und Zauber zugegen – ich darf mich bloß dafür entscheiden und dafür öffnen. Genau so ist es.

Weihnachten ist an jedem Tag. Und das ist doch ein sehr geiles Geschenk.

Danke. In großer Verbundenheit und Demut: danke, dass ich so reich beschenkt bin.

Euer Sebastian

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