„Wer vergleicht, macht sich unglücklich.“ 

So sprach gerne meine erste Ehefrau zu mir. 

Interessanter Weise, scheint da mehr wahres mit dran zu sein, als ich auf den ersten Blick so sah. Denn ich würde heute davon überrascht, womit man so alles Vergleiche anstellen kann. 

Als ein Schüler mit mittelprächtigen Leistungen und dem heimlichen Wunsch, oben inder ersten Liga der Premiumschüler mitzuspielen, tröstete ich mich in meiner Enttäuschung oft mit dem Blick auf die noch schlechten Schüler. Dass hier eine Ablehnung dessen, was ist, ein aufwärts Vergleich Ursache für mein Unwohlsein war, ein nicht Annehmen meiner eigenen individuellen Leistung, konnte ich damals nicht sehen. Auch wie weit alleine diese Situation aufzufächern möglich ist, sehe ich erst jetzt, gerade in dem Moment, in dem ich davon schreibe. 

Dennoch war für mich die Einstellung, es gäbe noch andere, denen es schlechter ergänge als mir, ein mir jahrelanger und vertrauter Begleiter. Ich meinte, in ihm Trost zu finden.

Daher kam mir die Idee, Unglück im Vergleich zu finden, etwas sehr seltsam vor. 

Doch ist es so. Denn im Vergleich sind auch die Erwartungen enthalten. Erwartungen, an denen wir etwas messen können. Und durch dieses messen, vergleichen und beurteilen machen wir uns unglücklich. 

Ja, mag nun manch einer einwänden, dieser Vergleich nach oben diene doch als Ansporn, noch bessere Leistungen zu erreichen. Das mag ja auch stimmen – bei mir hat es nie funktioniert. Wie sprengte ich mich an? Wie setzte ich mich unter Druck und wie jagte ich diesem Ziel hinterher? Doch war mein Erfolg so bescheiden und tatsächlich eher frustrierend. Weder wurden meine Bemühungen gewürdigt, noch stellte sich das gewünschte Resultat ein. So damals. 

Und heute? Heute ist mir dies alles bewusst geworden. Heute kann ich mir dies betrachten und merken: „Hey, teilweise handelt du ja immer noch so. Tröstest dich mit einem Abwärtsvergleich. Übersiehst dabei aber dein Unglück, nicht in der Premiumliga mit zu spielen.“ Und dann? Dann nehme ich das alles an. Das, was ist. Meine Erwartungen, meine Träume, meine Wünsche und meine Vergleiche und meine Abwertungen. „Ja, hier stehe ich gerade. Ich fühle ganz viel Enttäuschung und Traurigkeit. Ja, Wut und Trauer. Und Liebe. Ganz ganz ganz viel Liebe.“ 

Darin löst sich all das, was ich so mit mir rum schleppte, und es darf Frieden einkehren. 

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