Wie du dir mit dem Spiegelgesetz das Leben schwer machen kannst.

Der Umstand, dass das unsere Umwelt uns spiegelt, ist in beide Richtungen gültig. Das bietet eine hervorragende Möglichkeit, das Leben sich selbst und auch dem Gegenüber schwer zu machen. Der Verstand kann wundervoll analysieren. Zusammenhänge werden gefunden und begriffen und vernetzt. So bietet sich ganz leicht die Gelegenheit, bei unserem Partner es zu erkennen, was er verändern könnte, damit es ihm und mir besser gehen würde.

Der berühmte Splitter im Auge des Nächsten ist eben leichter zu erkennen, als der Balken im eigenen. Und es ist sehr verführerisch, am Splitter herum zu machen.

Der andere kann das Gefühl bekommen, so wie er ist nicht zu reichen, verkehrt zu sein oder eben allgemein in Frage gestellt zu werden. Außerdem kann bei ihm auch ganz leicht das Gefühl aufkommen, für etwas verantwortlich gemacht zu werden, wofür er jedoch nichts kann, was er wiederum ablehnt. Schnell wird dann der Ball zurück gespielt. Dann wechseln die Rollen und schneller als gedacht ist eine Mühle aus Vorwurf, Schmerz und destruktiven Mustern in Gang gesetzt.

Es ist ein Spiel. Ein Machtspiel. Um es zu spielen, braucht es zwei Mitspieler. Darin liegt auch schon die Lösung, um weder sich, noch dem Gegenüber, das Leben schwer zu machen: vor der eigenen Türe kehren. Ehrlich und bewusst, die Verantwortung für sich übernehmen. Wirklich bei sich bleiben – mit dem Fokus und dem Fühlen. Nicht dem anderen sagen, wo wir in seiner eigenen Verantwortungsübernahme eine Lücke sehen und wo er nicht seinen ganzen Fokus lebt.

Denn damit tun wir genau das, was wir ihm vorhalten: wir schieben unserem Partner die Verantwortung zu. Wir befinden uns dann mitten in der Projektion. Sind nicht bei dem, was sich uns in uns zeigt. Damit arbeiten wir dann aktiv daran, unsere Ohnmacht erneut zu installieren, auch wenn das Gefühl ja im Grunde ein anderes ist. Doch wenn wir die Verantwortung weiterreichen, dann geben wir damit die Macht mit ab. Also basteln wir genau in solchen Momenten an unserer Opferrolle, die ja ach so schön bequem ist. Wehrt sich unser Gegenüber dann such noch dagegen, die Verantwortung für uns zu übernehmen, sind wir volle Kanne berechtigt, in den gerechten Zorn hinüber zu wechseln und übel zu nehmen.

Doch wie da aussteigen? Wie vor der eigenen Türe kehren?

Für mich ist dies eine der spannendsten Fragen. So oft kann ich davon lesen, wie dies funktioniert und was ich tun kann. Doch ist oft an solchen Anleitungen für mich die Schwierigkeit mit verbunden: der Kopf kann es entweder verstehen, aber nicht umsetzen oder aber es schon mal garnicht schnallen. Es bleibt theoretisch, abstrakt. Die praktische Ebene fehlt mir da ganz oft.

Der Trick ist, es wirklich zu wollen.

Ganz oft erwische ich mich dabei, eben nicht die Verantwortung für mich übernehmen zu wollen, keine Macht in meinem Leben ausüben zu wollen, lieber den Kopf in den Sand zu stecken, mich zu entziehen oder mich im Selbstmitleid zu baden.

Will ich denn wirklich etwas ändern, oder habe ich es mir hier nicht im Grunde ganz bequem eingerichtet? Zerfällt nicht langsam alles, was so schön gemütlich scheint zu Staub? Werde ich nicht langsam sanft dazu genötigt, etwas zu ändern und ich sträube mich noch? Oder habe ich mich nicht längst schon entschieden und will die Veränderung? Ja. Ich will es wirklich. Und nur weil ich mich dabei erwische, wie ich es mir selbst wieder schwer mache, ist es noch lange kein Grund, verzagt zu sein.

Nein, Freude und Dankbarkeit finde ich sind angebracht. Denn ich habe erkannt, an welcher Stelle ich wieder den alten ausgetretenen Pfaden folgen will – doch will ich das wirklich? Nein,eben nicht.

Also ist jedes Aufzeigen, wo ich noch mir selbst nicht treu bin, ein Grund, sich zu freuen, das Ruder in die Hand zu nehmen und wieder den Kurs herzustellen, den ich wirklich will. Es liegt in meiner Hand.

Es liegt in unserer Hand, dem treu zu sein, was wir wirklich wirklich wollen. Auf geht’s.

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