Vorwürfe im Spiegel

In der Paarbeziehung sind Wunsch und Widerstand direkt ausagiert, indem wir als Paar die verschiedenen Poole rein einnehmen, die in uns angelegt sind und zwischen denen wir innerlich schwanken. So ist meine Wut auch deine Wut und dein Mut auch mein Mut. (Dein Bestreben Zelten zu wollen und mein Bestreben, dies zu vermeiden etc.) Das Spannungsgefüge, das Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen, hilft uns, uns unserer verschiedensten Anteile bewusst zu werden.

Diese Ansätze von Chuck Spezzano und Michael Lukas Moeller können auch als Hilfe verstanden werden, aus der Projektion leichter heraus zu kommen. Doch auch dazu ist der innige Wunsch, die eigene persönliche Entscheidung unabdingbar. Dass sie jedoch auch noch mehr sind, kann ich vielleicht an einem sehr aktuellen Beispiel aufzeigen:

„Der Arbeitseinsatz mit Katharina“
Der Wunsch, Ordnung und Struktur in die eigene vier Wände zu bekommen, ist stark in meiner Frau (weniger in mir). Also haben wir vor, einen Arbeitseinsatz in Haus, Hof und Garten zu starten. Doch was stelle ich fest, statt sich zu freuen und mit Spass und Leichtigkeit an die ganze Sache zu gehen, ist Druck, Stress und Hecktik bestimmend. Wir fangen an, aber es sei schon in Verzug, zu spät und was weiß ich nicht alles noch. Besuch hat sich angekündigt da geht noch mehr Zeit verloren von der schon knapp bemessenen. An allen Ecken und Enden fehlt etwas, ob es nun meine Geschwindigkeit ist oder das enorme Schrumpfen des todo-Berges in Summe.
Ich finde das nur anstrengend. Träge schleppe ich mich genervt und müde durch die Gegend und versuche unter Aufbringen meiner gesammten Energie irgendwie eine eigene Entpannung zu forcieren, während das Gewusel und der Stress anscheinend um mich herum auch noch zunehmen. Auch meine liebevollen Hinweise, dass dieses Aufgabenpensum ncht wirklich schaffbar sei, können nicht freundlich aufgenommen weren oder dass im Angesicht der sowieso chaotischen Zustände doch jeder kleine Erfolg ein Erfolg sei und ob wir nun dies mit Stress, Druck und Hecktik angingen oder mit Freude am Ende ein gleiches Ergebnis zur Folge hätte, jedoch uns eine unterschiedlich angenehme Zeitqualität verschaffen würde – ja doch, dafür war sie zu haben und schaute auch freudig auf die erreichten Dinge und voll Sorge, Angst und Ohnmacht auf den noch zu erledigenden Berg. So mein Eindruck, so mein Erleben, so meine Wertung.
Und das sagt sie mir, als ich kund gebe, mit meinen Kräften am Ende zu sein und das Arbeitsklima gelinde ausgedrückt als Kacke empfände, weil mir da zu viel Negativität drin stecke. Warum kann ich mir anhören, ob ich schonmal geguckt hätte, was daran mein Anteil sei, dass das ja unser gemeinsames etc. und so weiter sei, wenn ich doch gerade schon aufgegeben habe und kapitulierte? Man tritt doch nicht jemanden, der schon am Boden liegt. Nein, nein. Da wird mir doch Verantwortung zugeschoben, die ich zu tragen nicht gewillt bin, denn wer hier schlechte Laune hat, das ist doch offensichtlich. Nö, meint meine liebe Frau, das sei mal schön mein Ding alleine, denn sie hätte gar keine Negativität und daher könne sie diese auch nicht ausstrahlen. (Dabei stimmt es, dass ich meine negative Sichtweise auf meine Liebste, den ganzen Tag nicht loswurde, sondern gegen sie kämpfend wahlweise sie fröhlich kultivierend druch die Gegend grummelte – Recht haben wollend – doch dies einzuegestehen, mochte ich in diesem Moment nicht, es ging mir ja um etwas anderes – sie sollte anders sein, denn wegen ihr konnte ich ja keine Gute Laune haben und musste ich ja und so weiter und so fort). Also jetzt noch Verantwortung für mein Gegenüber tragen, wo das so wenig Lust hatte, dies selbst zu tun? Zack, BUM, Treffer, versenkt: ich ging an die Decke und explodierte. Heute ziert ein Herpes, also ein Wutbläschen meine Oberlippe. Danach war die Luft raus und die erhitzten Gemüter kühlten wieder ab, beruhigten sich wieder. Das Fass war übergelaufen und konnte neu befüllt werden.

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Aber worum ging es eigentlich?
Warum war ich den ganzen Tag über grummelig? Warum nahm ich Anstoß daran, dass es meiner Freundin und Partnerin so schlecht erging? Was ist der innere, mein ganz persönlichr Hintergrund, dass ich mich ärgerte?

Diese Situationen sind – und das ist meine tiefste Überzeugung – Möglichkeiten der Heilung. Liebevoll wird uns etwas gezeigt, geschenkt, gegeben, mit dem wir einein weiteren Schritt in Richtung Heilung gehen. Ja und warum fällt es mir dann so schwer, diese Chancen freudig anzunehmen und mich ihnen zu öffnen? Na wei ich mich bisher genau davor verschlossen hatte. Das ist es doch gerade. Könnte ich mich einfach so dem öffnen, dann bräuchte ich auch nicht solche Lerneinheiten. Jedoch brauchen wir den entscheidenden Schritt nicht alleine zu gehen und wir brauchen auch nicht zu verzagen. Wir haben in uns einen Draht, ein Band, eine Verbindung zu einer Quelle, aus der uns eine Hilfe zu teil wird, die wir uns kaum vorstellen können. Wer es erlebt hat, weiß, wovon ich sreche. Diese Hilfe sieht ganz verschieden aus. Chuck Spezzano sagt, sie sei eine Gabe, die wir in uns entdecken können, mit der wir dem Schmerz und dessen Auslöser begegnen können. Ich finde, das ist ein schönes Bild.

Und warum gab es nun dieses Gewitter und diese ganze Spannung davor?
Weil es eine Entscheidung von imr war. Eine unbewusste zwar, aber eine Entscheidung. Ich kreierte mir ein Erleben, mit dem ich bisher nicht im Frieden war. Und so spielte ich wieder Dramaland, wie Martin Weiss es so schön nennt, und ging volle Kanne in die Opferhaltung. Ich hatte mich entschieden, mich ohnmächtig zu fühlen. Es ging darum, dass ich hilflos, ohnmächtig und allein sei. Deshalb gelang mir auch in solchen Momenten keine Meditation so richtig. Mein angespanntes Level war enorm hoch und jeder kleine Pups triggerte mich an.

Woher kenne ich solche Ohnmachtsgefühle? Aus der frühesten Kindheit. Alleine im Bettchen konnte ich schreien, soviel ich wollte, ich wurde nicht gehört. Es ist tatsächlich so, dass ich als Baby mich so verloren gefühlt habe, wenn meine Mutter arbeiten war und ich eine Stunde zu überbrücken hatte, bis mein zehnjähriger Bruder heim kam – eine Erfahrung, an die ich bisher auf der Gefühlsebene nicht heran kam, weil es eine Todesangst in mir auslöste. Volle Kanne auf der Kopfebene wurde ds bei mir ausgetragen. Und da gehört alles dazu: an den Gitterstäben rütteln, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Alleinsein, Angst, Panik. Wut, Trauer, Todesangst, Starre und Lähmung.

Dies alles darf ich als erwachsener Mann wieder und wieder durchleben – bis ich meinen Frieden damit gemacht habe. Bis ich vergeben habe: mir, meiner Mutter und mir in der Person, wie ich mit mir umging, wenn es mir so erging. Ich darf mich diesen Gefühlen, diesen Emotionen stellen und sie alle annehmen. Mein Weg zum Freisein.

Genau daraus her kommt diese Entscheidung, mich so wieder fühlen zu wollen. Das ist mein Wunsch. Etwas in mir – am Ende eben ich!, ich selbst! – will sich ohnmächtig fühlen. Das darf ich annehmen. Das darf ich erkennen: ich will das gerade. „Und das ist, was ich will.“ Kriege ich in mir dazu ein: „Ja, stimmt.“ Dann kann ich das erstmal fühlen. Und dann weiter gehen.

Doch was machte ich stattdessen? Ich lehnte es ab und wollte diese unangenehmen Gefühle weg haben. Aber nicht in erster Linie in mir selbst, sondern in meinem Gegenüber: sie sollte anders sein. Also murkste ich lieber an ihr herum, als mir meine Widerstände einzugestehen.

So funktioniert das mit diesem Wunsch-Widerstands-Gefüge, mit der Idee, dass jede Paarsituation von beiden geschaffen wurde, dass jeder seine Verantwortung zu tragen hat und diese nicht dem Gegenüber aufhelfen sollte. Wir haben vor der eigenen Haustür zu kehren, dann ist es auf der ganzen Welt sauber. Bei einem selbst bleiben und gut für um diese/n sorgen. Dann ändert sich auch der Spiegel.

Freisein? Ist in jedem Augenblick möglich, indem wir aus dem tiefsten Herzen haraus entscheiden, es zu wollen Wir sind es bereits, es ist uns nur noch nicht bewusst.

Alles Liebe und danke fürs Durchhalten bis hier,
Sebastian

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