Innerer Ohnmacht begegnen 

Das Gefühl der Ohnmacht ist für mich besonders schwer erträglich. Gefühlt will ich in solchen Momenten einfach nur dieses Gefühl loswerden. Dazu nutze ich verschiedene Strategien. Gerne will ich etwas tun, aktiv sein und damit helfen oder Situationen bereinigen bzw. klären. Oft gehe ich dabei über meine eigenen Grenzen – und merke dies dann sehr spät erst.

Immer wieder mache ich diese Erfahrung in meinem Leben – und oft erwische ich mich dann erst dabei, wie ich das Gefühl wegdrücke, statt mich dem ganzen zu stellen. Noch mehr bekomme ich erst wieder den nicht liebevollen, nicht aufmerksamen Umgang mit mir selbst mit, wenn mir das Herzchakra auf dem Rücken schmerzt und ich mich in diesem diffusen Unwohlsein wieder finde. Dies ist ein Gefühl, das mir so vertraut ist, dass ich erst relativ spät merke, dass ich da drin bin oder von meiner Umwelt gesagt bekomme, ich sei unausstehlich oder schlecht gelaunt.

Mein Automatismus, dem ich mich hier stellen darf, ist: die Ohnmacht zu erkennen. Das ist mein aller erster Schritt. Oft erwische ich mich ja schon dabei, wenn ich in der Re-Aktion bin und einfach drauflos wirtschafte. Oft auch noch mit einem Blick von unten nach schräg oben werde ich aktiv, auf dass „Mama wieder lieb ist“, „ich nicht all zu dolle Haue kriege“ oder vergleichbare Ängste, die mich einfach „in die Spur kommen“ lassen. Dabei gibt es diese „Spur“ schon lange nicht mehr.

Und das ist gut so. Tatsächlich kommt die Ohnmacht oft aus nicht verarbeiteten Kindheitserlebnissen, die dann diese Angst und eben auch die Ohnmacht (gegenüber den „allmächtigen“ Eltern, den größeren Geschwistern oder den stärkeren und größeren anderen Kindern) wieder aufleben lässt.

Und dann? In Ruhe im Feuer stehen. Ein Satz von Veit Lindau – und ich liebe ihn. Der drückt genau das aus, was wir dann machen können, wenn wir nichts mehr machen können. Aus welchen Gründen es auch immer um uns herum gerade brennen mag – eben auch aus dem Gefühl der Ohnmacht heraus. Wir können eins machen: in Ruhe im Feuer stehen bleiben. Es geht vorüber. Und ich bleibe stehen. Das ist kraftvoll. Dadurch habe ich auch Selbstwirksamkeit wieder erlangt. Wie wunderbar. Ich kann mir ins Gesicht gehen und Ja! sagen. Habe nicht gekniffen, bin nicht ausgerastet, habe nicht alten Mustern und ausgetretenen Wegen entsprochen, sondern ich habe in mir ruhend die Situation durchgestanden.

Und dann kann ich natürlich Ja! zu meiner Ohnmacht sagen. Triggert sie in mir verborgene und bisher unentdeckte Emotionen, piekst sie direkt in meinen mir noch unbekannten Schmerzpunkt und drückt eben jemand, in mir die Ohnmacht anstachelnd nur auf einen meiner Knöpfe, die mich springen lassen, dann kann ich damit arbeiten.

Das bedeutet, die Erlebnisse von früher, mir bewusst werden zu lassen und sie mit meiner heutigen Draufsicht durchfühlen und eben auch wandeln. Ohnmacht will eben auch nur geliebt werden und die Gefühle von früher, die aus den ohnmächtigen Situationen entstanden sind, wollen auch nur in den Fluss kommen, integriert werden. Also annehmen und liebevoll durchgehen.

Durch das Ja! und die Annahme meiner (momentanen) Ohnmacht, darf sie sich direkt wandeln. In genau diesem Augenblick meines gefühlten und wirklich gemeinten Ja!s bekomme ich alle Macht zurück. Es ist so ein Geschenk. Denn der lichte Schatten der Ohnmacht ist die Macht. Sie gehören zusammen. Lehne ich das eine ab, mangelt es auch am anderen. Nehme ich das eine an, wird das andere mir gleich mit geschenkt.

 

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